Geld zurück oder antidemokratische Wende?

Was will uns die ÖVP mit ihren Plakaten sagen?

Andi Wahl_03-09-2009

Schon das erste ÖVP-Plakat zur Landtagswahl ließ nichts Gutes ahnen: In dunklen Farben gehalten sah man da Landeshauptmann Pühringer, wie er ins Land hinein schaut. Die Ästhetik hatte etwas von einem Altbauernkalender, und Pühringer wirkte darauf auch leicht gebeugt (wahrscheinlich ob der großen Lasten, die dem Landesvater die Schultern niederdrücken). Alleine das Bild erzeugte bei mir schon Unbehagen, da mir solche Altbauern-Allüren in einem demokratischen Prozess einfach zuwider sind. Der Bauernhofvergleich stand in der österreichischen Geschichte immer für eine unverrückbare, gottgewollte Ordnung. Auch der alte Kaiser Franz-Joseph I. wurde immer wieder als Bauer dargestellt, über dem nur noch der Herrgott selbst steht.

Mein Unbehagen verstärkte sich noch durch die Wortbotschaft des Plakates: „Weil er Oberösterreich liebt“. Als ob Oberösterreichs Gedeihen von der Liebe Pühringers abhängen würde! Hier hat wohl eine Werbeagentur versucht, aus Pühringer so etwas wie einen gütigen Landesfürsten zu machen, der seine Schutzbefohlenen zwar liebt, ihnen diese Liebe (bei mangelndem Wohlverhalten) aber auch wieder entziehen kann. Nicht nur, dass dies von einem zutiefst undemokratischen Geist zeugt, sind solche Patriarchen-Schlapfen dem Pühringer einfach zu groß und er muss darin unweigerlich eine lächerliche Figur abgeben.
Wirklich erschrocken bin ich dann aber bei der ÖVP-Plakatserie, die derzeit allüberall achiffiert ist. Schwarze Schrift auf gelbem Grund! Ist die ÖVP so blöd, oder stellt sie sich nur so? Schwarz Gelb steht in der österreichischen Zeichenlehre seit der Niederschlagung der bürgerlichen Revolution 1848 für alles antidemokratisch-restaurative. Damals als der bürgerlichen Revolution mit militärischer Gewalt ein Ende gesetzt wurde, geschah dies unter dem schwarz-gelben Banner des Hauses Habsburg. Schwarz-gelb steht seither auch für den Verrat des Bürgertums an den eigenen Werten. Denn die Niederschlagung der Revolution wurde auch dadurch ermöglicht, dass das revolutionäre Bürgertum aus Angst vor dem eigenen Werk wieder den Frieden mit der alten Ordnung suchte.
Nun mag man solche Überlegungen für die Ausgeburt eines Gehirns halten, das geschichtliche Parallelen überbewertet. Immerhin ist ja die Kombination schwarz-gelb auch auf Grund ihrer Signalwirkung sehr beliebt. Aber, so sage ich mir, solche Plakate werden ja nicht in Heimarbeit von ParteifunktionärInnen gemalt, sondern von Werbeagenturen entwickelt. Deren Geschäft (und hoffentlich auch Kompetenz) ist ja, über Zeichen und Signale Bescheid zu wissen und mit diesen zu arbeiten. Und Schwarz-Gelb im politischen Kontext einzusetzen heißt auch diese Farben mit ihrer politischen Konjugation zu verwenden. Diese ist in Österreich eine ganz klare, antidemokratisch-hierachische. So etwas wird man als Agentur dem Auftraggeber doch mitteilen, oder nicht?
Kann es sein, dass die ÖVP einfach nur eine inkompetente, schlampige oder auch nur dumme Werbeagentur erwischt hat, oder steckt da doch eine Botschaft dahinter? Immerhin sind auf diesen Plakaten ja auch Aussagen zu lesen wie: „Jetzt keine Experimente: Oberösterreichs Weg steht auf dem Spiel“.
Auf jeden Fall kann sich die ÖVP nicht damit heraus reden, dass sie sich mit Farben halt nicht so auskenne. Denn seit die ÖVP im Präsidentschaftswahlkampf 1986 Plakate mit der Aufschrift „Wir wählen wen wir wollen“ auf gelben Grund plakatieren ließ – und dies von allen als eine Botschaft der ÖVP an das „Weltjudentum“ verstanden wurde, kann man dieser Partei wohl eine gewisse „Farbkompetenz“ unterstellen. Damals konnten Sie es ja auch.

Ich für meinen Teil blicke ratlos auf die Plakatkampagne der ÖVP. Ist hier einfach blanke Dummheit, Denkfaulheit und Schlampigkeit (auf Agentur- wie auf Parteiseite) am Werk, oder wird eine gewisse antidemokratische Schlagseite wissentlich in Kauf genommen?
Will die ÖVP in Krisenzeiten der von ihr unterstellten Sehnsucht nach einem „starken Mann“ nachkommen und versucht es eben einmal auf die Gütiger-Patriarchen-Tour, oder ist die Entpolitisierung der Politik (Zurichtung politischer Inhalte auf marktkonforme Formate) bereits soweit fortgeschritten, dass es schon ganz gleich ist, ob man Pühringer, Klopapier oder Fernreisen bewirbt?
Wäre ich die ÖVP (ein Schicksal, das mir Gott sei Dank erspart bleibt) würde ich ins Büro der Werbeagentur stapfen, nach dem Vorbild von Margaret Thatcher meine Handtasche auf den Tisch knallen und ausrufen: „I want my money back!“

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