Was uns Plakate (noch) sagen können
Andi Wahl_03-09-2009
Wahlplakate vermitteln der Betrachterin/ dem Betrachter immer auch Botschaften, die von der wahlwerbenden Gruppe (so) gar nicht beabsichtigt sind. Diese hintergründigen Botschaften geben aber oftmals mehr Auskunft über die jeweilige Partei als die vordergründig vermittelte Botschaft. Am Beispiel der SPÖ-Plakate wurde dies ja schon gezeigt. Hier vermittelten die SozialdemokratInnen Geschlechterstereotypen, die man/frau eigentlich bei der Gruppe „Die Christen“ vermutetet hätte.
Die Plakatserie der KPÖ ist ein weiteres Beispiel dafür, dass uns Parteien mittels ihrer Plakate oft tief in ihre innere Verfasstheit blicken lassen. Besonders hervor sticht das Plakat „Widerspruch ist wählbar“:
Quelle: http://ooe.kpoe.at
Aufhorchen lässt bereits die Fußzeile, die auf allen Plakaten dieser Serie (und es gibt wohl nur eine Serie) gleich ist: „Die superrote Variante“ ist hier zu lesen. In der Botanik wie auch in der Zoologie bezeichnen Varianten einzelne Exemplare einer Art, die sich nur unwesentlich von den restlichen VertreterInnen dieser Art unterscheiden. Ein Schmetterling etwa, der eine etwas andere Flügelzeichnung aufweist. Dem zufolge - und ich wüsste nicht, wie ich das sonst verstehen sollte - sieht sich die KPÖ als eine Spielart sonstiger Parteien, die sich nur unwesentlich von diesen unterscheidet. Ein interessante Aussage für eine Partei, deren Merkmal eigentlich die Sprengung der Systemgrenzen sein sollte.
Einblicke in die momentane innere Verfasstheit dieser Partei werden uns auf der Bildebene gegeben. Hier sehen wir eine (wahrscheinlich männliche) Figur, die mit zusammengekniffenen Augen und vor der Brust verschränkten Armen heftig den Kopf schüttelt. Das ist mehr als unbändige Ablehnung. Dieses Bild erfüllt wahrscheinlich das Krankheitsbild des Autismus, einer unheilbaren Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung, die zu Schwächen in der sozialen Kommunikation und zu stereotypen Verhaltensweisen führt.
KennerInnen dieser Partei aus meinem Umfeld, halten dies für eine gar nicht so schlechte Beschreibung der KPÖ.

widersprüchliches Widersprechen oder historische Verbindlichkeit
Die KPÖ, reiht sich ihrem Selbstverständnis nach in die historisch- materialistische Tradition des MEL(M)S ein, also in die Art Kommunismus wie er sich über Marx, Engels, Lenin und Stalin (Mao halte ich hier in der Klammer, da in diesen Kreisen eher unbeliebt)historisch entwickelt hat. Kleinster gemeinsamer Nenner all dieser epochalen "Schriftführer" ist der Weg zur klassenlosen Gesellschaft. Man sagt auch, dass es die Widersprüche im kapitalistischen System sind, gegen welche die Kommunisten kämpfen um zur widerspruchsfreien und in logischer Konsequenz klassenlosen Gesellschaft zu gelangen. Mir hat sich folgende Frage aufgedrängt: "Sollte ich wirklich eine Partei wählen, die sich selbst als elementaren Charakterzug eines Systems sieht, gegen welches sie aus selbstgewählter, historischer Verbindlichkeit heraus auftritt?" ...oder ist mir das zu widersprüchlich?
MfG wb
KPÖ
Die KPÖ hat ja heuer realistische Chancen, die eine oder andere Gemeinde zu knacken und in den dortigen Gemeinderat einzuziehen; sogar Linz scheint gar nicht sooo unwahrscheinlich.
Was verwundert: die politische Fehleinschätzung der dynamischen Vorgänge nach dem Angirff auf die 1.Mai-Demo spricht gegen die Politikfähigkeit der superroten Variante. Eigentlich peinlich, dass junge SozialdemokratInnen und eine paar unorganisierte Linke die politische wie mediale Arbeit zu diesem Anlaß besorgen und die KPÖ sich auf Presseaussendungen und juristisches Vorgehen verläßt.
Mich zumindest hat dieses mangelnde Engagement der KP erstaunt und eigentlich auch angewidert.
Die KPOe hat in meinen Augen
Die KPOe hat in meinen Augen noch immer nicht ganz den habitus einer staatstragenden partei abgelegt, den sie nach 1945 zulegte. damals war es in nicht geringem masse der antifaschistische widerstand der KPOe auf dem sich die junge republik berief, wenn es um die durchsetzung des opfermythos (oesterreich als erstes opfer nazi-deutschlands)ging. der KPOe wurde diese rolle richtiggehend aufgedraengt und sie hat sie gerne (wahrscheinlich auch dankbar) uebernommen. individualpsychologisch wahrscheinlich sehr einleuchtend, wenn menschen die jahrelang verfolgt wurden und in den untergrund abtauchen mussten, ploetzlich von den eliten hofiert und geehrt werden. bald aber war die republik so gefestigt (spaetestens nach dem staatsvertrag 55), dass man sie nicht mehr brauchte. an ihrem staatstragenden, ja staatsgruendenden habitus hat sie aber bis vor einigen jahren weiter festgehalten (bis 1989 griff ja auch die oesterreichische wirtschaft immer wieder gerne auf die KPOe-Kontakte in den damaligen ostblock zurück). aber jetzt braucht man die KPOe weder zu rechtfertigungen noch um exportvertraege einzufaedeln. die KPOe koennte daher (von diesem ballast befreit) endlich zu einer "normalen" kommunistischen partei reifen.
und hier kommt eine andere lesart der KPOe-plakate ins spiel. vielleicht ist dieses trotzige manderl auf dem plakat ja auch ausdruck einer art selbst-bewusst-werdung. aehnlich wie kleinkinder in der trotzphase ihre persoenlichkeit entdecken und entwickeln, muss sich die KPOe einmal trotzig von allem bisherigen loesen um eine neue identitaet zu entwickeln. auf dem plakat koennte demzufolge auch stehen: "Wir machen da nicht (mehr) mit!"
aber das sind natuerlich nur mutmassungen.
andi wahl
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