Kulturversagen

Kle_22-09-09

Dem Wahlblog der Kupf geht es wie dem oberösterreichischen Wahlkampf: er plätschert dem Ende entgegen, um wirklich viel ist's nicht gegangen. Neidig möchte man nach Vorarlberg schauen, dort haben sich die politischen Parteien wenigstens um öffentlichen Dissens bemüht. In Oberösterreich ist die dominierende Stimmung im Vorfeld des Wahlsonntags eine zwischen Wurschtigkeit und Angst.

Wurschtigkeit, weil's eh wurscht ist, ob der Klane oder der Blade gewinnt (der Blade scheint ohnehin schon chancenlos). Angst vor der FPÖ, vor einem riesigen Stimmungszuwachs für die Blauen. Angst vor einer Koalition mit der FPÖ, beide „Großparteien“ haben Wert darauf gelegt, dass diese „demokratische Option“ offen bleibt.

Ich habe ein bisschen gehofft, den Wahlkampf kulturpolitisch abklopfen zu können. Aber recht viel weiter als bis zur Plakatbeschimpfung sind mein Blog-Kollege und ich nicht gekommen. Kulturpolitik ist im Wahlkampf von untergeordnetem Interesse, den tapferen Versuchen der KUPF zum Trotze. Ich habe heute im Gespräch meinem Kollegen Richard Schachinger vom Bock Ma's die Frage gestellt, ob dies daran liegt, weil sich mit Kulturpolitik eben keine Stimmen fangen ließen, oder ob PolitikerInnen dieses Thema nicht auch aus Angst meiden, immerhin ist das Thema deutlich ideologisch aufgeladen. Wir fürchten, das beides zutrifft.

Es ist nicht zuletzt das kaum vorhandene kulturpolitische Know-How, dass die Parteien in diesem Zusammenhang auszeichnet und sie das Thema auch scheuen läßt. Der letzte „Kulturkampf“ in Oberösterreich war noch im letzten Jahrtausend, bis heute scheint aber die SPÖVP von ihrer Niederlage in der Causa OÖ Landestheater gegen die Blauen traumatisiert. Kultur wird allenfalls als Wunderwaffe im Wettbewerb der Standorte verkannt, als touristischer Anreiz oder gar als hoffnungsvolle „Zukunftsbranche“ für schlechte Zeiten. Nota bene: traue niemandem, der von Creative Industries spricht. Dem entgegen stellt sich natürlich das Kulturverständnis der Freien: Kultur als zivilisatorisches Basismerkmal, als Art und Weise, unseren gesamten Umgang von Menschen zu Menschen zu praktizieren, zu verhandeln, zu gestalten, zu verstehen, hinterfragen oder auch zu zerstören. Die platte und beliebige Sozialdemokraten-Parole von der „Kultur für alle“ klingt zu sehr nach Brot und Spiele, als dass sie mir auch im 21.Jahrhundert noch postulierbar erscheint. Das (noch) rote Linz irrt sogar in seinem Kulturentwicklungsplan (KEP): „Kultur für alle. Gemeint ist ein breit gefächertes kulturelles Angebot, das nicht nur die traditionellen künstlerischen Ausdrucksmittel, sondern alle Bereiche des menschlichen Miteinanders mit einbezieht.“ Schon in diesem Axiom des KEP fehlt ein wichtiger Teil. Nämlich das „Gegeneinander“, das mir ebenso wichtig wie das eben zitierte „Miteinander“ erscheint: Kultur ist ein Feld, in dem Widerstände, Gegensätze und Antagonismen ausverhandelt werden können und müssen.

Dieses Verhandeln der Gegensätze ist der gesamten Parteienpolitik verloren gegangen. Die Parteien stehen nicht für sich aneinander reibende Gruppen, Kulturen, Denkschulen, Ideologien. Sondern für vage Stimmungen, für temporäre Stellungsbesetzungen ohne fixe Fronten, für Machtspielchen. Für verschiedene Marketing-Agenturen, die ihre jeweiligen PolitikerInnen nicht mehr nur bei der Wahl des Haarschnitts und der Plakatgestaltung, sondern auch bei der Auswahl der Inhalte, für die sie einstehen, beraten.

Eine gute politische Kultur bräuchte eine gute Kulturpolitik. Das ist nicht voneinander zu trennen.

Kommentar hinzufügen

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Images can be added to this post.
  • Verlinkte Bilder mit dem 'rel="lightbox"' in <a> Tags wird die Lighbox aufrufen, wenn darauf geklickt wurde.
  • You may use <swf file="song.mp3"> to display Flash files inline

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
3 + 0 =
Das einfache mathematische Problem ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben. Z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegebene werden.