Artikel: subtext.at 2.8.2010

Kulturschock

CHRISTOPH THORWARTL (subtext.at)

Weshalb die aktuellen Geschehnisse rund um die Kulturpolitik Oberösterreichs bei mir Bauchweh hervorrufen.

Große Aufregung in der oberösterreichischen Kulturszene rufen zur Zeit Entscheidungen rund um zwei Projekte, die im Rahmen des KUPF-Innovationstopfes ursprünglich gefördert wurden. Genau diese Förderzusagen wurden jetzt kraft einer Entscheidung der oberösterreichischen Landesregierung zurückgenommen. Die Begründung lag darin, dass die Projekte weder „zeitgenössisch seien“ noch „künstlerische Inhalte erkennbar wären“. Natürlich nur zufälligerweise fällt diese Vorgangsweise mit einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ zusammen – beschäftigen sich die Projekte doch auch mit einem der Lieblingsspielzeuge des freiheitlichen Sicherheitsstadtrates von Linz, Detlef Wimmer – der Linzer Stadtwache.

Nun ist es ja nicht verwunderlich, dass die FPÖ die Projekte am „äußerst linken Rand“ angesiedelt sind – ist doch für eine Partei, wo zumindest in Linz rechts genauso viel Platz wie zwischen Rubens Barrichello und der Boxenmauer im gestrigen Grand Prix ist, der linke Rand doch schnell erreicht.

Doch darum geht es in diesem Fall nicht. Viel problematischer ist es, dass Schlussfolgerungen einer Expertenjury ad absurdum geführt werden – und von Landesregierungen entschieden wird, was „zeitgenössisch“ ist und was „künstlerische Inhalte“ sind. Nun kann man natürlich die Inhalte der Projekte kritisieren – aber nach einer ursprünglichen Zusage die Förderzusagen danach zeitnah mit einer FPÖ-Anfrage zurückzuziehen, wirft dann doch ein mehr als schiefes Licht auf den Entscheidungsprozess. Und hier liegt auch die Gefahr. Anstatt die FPÖ und ihre manchmal jenseitigen Ansichten von Kultur als die Hauptschuldigen hinzustellen und damit in den alltäglichen Politik-Hickhack einzutauchen, muss hier die ernsthafte Frage erlaubt sein, mit welcher Berechtigung hier eigenmächtig die Trennlinie zwischen „zeitgenössisch“ und „nicht förderwürdig“ gezogen wird.

Kupf-Geschäftsführer Stefan Haslinger schreibt, dass er es gut finde, dass ironischerweise gerade durch die FPÖ die Kulturpolitik wieder in den öffentlichen Diskurs kommt. Dem kann ich nicht widersprechen – und habe trotzdem Bauchweh dabei. Weil diese Debatte, wie so viele, wieder in einer Neiddebatte enden wird. Die FPÖ wird wieder mit der Verschwendung der auf einmal ach so kostbaren Steuergelder argumentieren, und der gemeine Österreicher wird wieder einmal auf die „Künstler“ schimpfen, denen eh alles „hinten hinein geschoben“ wird.

„Kultur ist die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen.“ So schreibt der Linzer Musiker Peter Androsch in seiner Stellungnahme auf der KUPF-Homepage. Dem ist nichts hinzuzufügen – die folgenden Debatten werden aber dennoch die aktuellen Zustände in der Gesellschaft auf grausame Art und Weise offenbaren. Bis dahin bleibt nur zu hoffen, dass Landesregierungen die Definition von Kultur nicht eigenmächtig setzen – weil Kultur nicht in fixe Kategorien eingeteilt werden kann.

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mein Name

Hi,

ich fühl mich natürlich geehrt, hier im Pressespiegel aufzuscheinen, allerdings wurde bei meiner Namensgebung nicht an einen Topf gedacht ;). Es heißt Christoph, nicht Christopf ;).

lg
Christoph Thorwartl
Chefredakteur subtext.at

Re: mein Name

Lieber Christoph!
sorry, sorry - wurde geändert!

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