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Danke!
Andi Wahl_23-09-09
Auch wenn der Herr Kollege sich in diesem Blog bereits in schwindelnde Höhen der Metaebenen hochgeschrieben hat, und es sich wohlig eingerichtet, auf dem Olymp der ernüchterten Abgeklärtheit, so möchte ich doch noch einmal Ihren Blick in die profanen Niederungen des oberösterreichischen Landtagswahlkampfes lenken.
Flaniert man ein wenig durch die Plakatlandschaft dieses Wahlkampfes, so kann man am Wegesrand so manches Blümlein entdecken, das es wert ist, dass man sich zu ihm hinunter beugt, um es näher zu betrachten.
Kulturversagen
Kle_22-09-09
Dem Wahlblog der Kupf geht es wie dem oberösterreichischen Wahlkampf: er plätschert dem Ende entgegen, um wirklich viel ist's nicht gegangen. Neidig möchte man nach Vorarlberg schauen, dort haben sich die politischen Parteien wenigstens um öffentlichen Dissens bemüht. In Oberösterreich ist die dominierende Stimmung im Vorfeld des Wahlsonntags eine zwischen Wurschtigkeit und Angst.
Von erwarteten Freisprüchen und nicht zu erwartenden Entschuldigungen.
kle_17-09-09
Ich hole etwas weiter aus: am 1.Mai dieses Jahres wurde in Linz erstmals in der Nachkriegsgeschichte ein Maiaufmarsch polizeilich unterbunden. Nicht nur das: der KPÖ-nahe Umzug wurde nicht nur aufgehalten, sondern es wurden auch etliche Personen von der Exekutive verhaftet und angezeigt. Die verhafteten Personen und ZeugInnen berichten von unangemessener Brutalität bei den Verhaftungen, diverse Videoaufnahmen scheinen dies zu belegen; polizeiliche Aussagen über gewalttätige und vermummte Randalierer, die die Demo „unterwandert“ hätten, ließen sich nicht bestätigen. (Infos zu den Vorfällen findet man unter www.subversivmesse.net oder http://gegenpolizeigewalt.servus.at)
Was uns Plakate (noch) sagen können
Andi Wahl_03-09-2009
Wahlplakate vermitteln der Betrachterin/ dem Betrachter immer auch Botschaften, die von der wahlwerbenden Gruppe (so) gar nicht beabsichtigt sind. Diese hintergründigen Botschaften geben aber oftmals mehr Auskunft über die jeweilige Partei als die vordergründig vermittelte Botschaft. Am Beispiel der SPÖ-Plakate wurde dies ja schon gezeigt. Hier vermittelten die SozialdemokratInnen Geschlechterstereotypen, die man/frau eigentlich bei der Gruppe „Die Christen“ vermutetet hätte.
Sozialdemokratische Geschlechterrollen
kle_10-09-2009
In meinem letzten Beitrag wies ich auf die weitestgehende ideologische Übereinstimmung aller Parteien hin. Die inhaltlichen Unterschiede zwischen den Parteien treten eher im Kleinen auf, dort wo's weh tut: bei den Fragen nach der persönlichen Einkommenssteuer, den migrantischen Nachbarskindern oder den Vorstellungen von Familie und Geschlechterrollen. Wer Parteien verstehen will, muss also genau dort nachbohren.
Speziell das „Geschlechterbild“ impliziert eine ganze Batterie an Wertvorstellungen; es kulminiert eine ganze Menge Dinge, die originär wenig mit Geschlechtlichkeit zu tun haben. Praktisch also, dass die oberösterreichische SP in ihrer aktuellen Plakatkampagne diesen Punkt aufgreift. Zwei zusammengehörende Sujets arbeiten mit Bildern zur Geschlechtlichkeit.
Geld zurück oder antidemokratische Wende?
Was will uns die ÖVP mit ihren Plakaten sagen?
Andi Wahl_03-09-2009
Schon das erste ÖVP-Plakat zur Landtagswahl ließ nichts Gutes ahnen: In dunklen Farben gehalten sah man da Landeshauptmann Pühringer, wie er ins Land hinein schaut. Die Ästhetik hatte etwas von einem Altbauernkalender, und Pühringer wirkte darauf auch leicht gebeugt (wahrscheinlich ob der großen Lasten, die dem Landesvater die Schultern niederdrücken). Alleine das Bild erzeugte bei mir schon Unbehagen, da mir solche Altbauern-Allüren in einem demokratischen Prozess einfach zuwider sind. Der Bauernhofvergleich stand in der österreichischen Geschichte immer für eine unverrückbare, gottgewollte Ordnung. Auch der alte Kaiser Franz-Joseph I. wurde immer wieder als Bauer dargestellt, über dem nur noch der Herrgott selbst steht.
Kapitalismushygiene #09
kle_03-09-2009
„Die österreichische Innenpolitik ist ein Quell heller Freude, der mein Dasein als Couch Potato zutiefst bereichert und in gewisser Weise sogar erträglich macht. Ich kann stundenlang bekifft auf der Couch liegen und mir Wahlkampfgespräche, Straßenumfragen und ORF-Analysen ansehen. Natürlich hat diese Art von Politik eigentlich nichts mehr mit Politik zu tun, was aber nichts macht, weil ja die Politik ohnehin keine Politik machen kann, sondern ebendiese nur verwalten. „Kapitalismushygiene“, sage ich. „Gestalten“, sagt der Herr Khol. Aber da glaube ich dem alten Sack kein Wort.“
Vor ziemlich genau einem Jahr leitete ich meinen damaligen Wahlkampfbeobachtungsblog mit obigen Zeilen ein. Damals schrieb ich für den Weblog der Subversivmesse, und ich ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau, wer oder was vor etwa einem Jahr gewählt wurde. Woran man schon erkennt: die Relevanz von Wahlen und im weitesten Sinne Parteien wird im wesentlichen überschätzt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Einfluss die parteienorganisierte und institutionelle Politik auf die reale Makropolitik oder gar auf unsere Leben hat. Das mag an meinem möglicherweise privilegiertem Leben liegen; aber ich glaube, es geht doch den meisten so.
